Stuttgarter Zeitung vom 14.06.2005 |
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Naturschwimmbad im Ramsbachtal eröffnet Attraktion auf dem Gelände des FKK-Familiensportbunds soll neue Mitglieder locken Prüderie hat hier nichts verloren: Das Naturschwimmbad auf dem Gelände des FKK-Familiensportbunds lockt Freunde der Freizügigkeit ins kühle, naturbelassene Nass. Auch eine Wasserrutsche ist bereits in Planung.
Weit draussen in den Feldern des Landschaftsschutzgebiets Ramsbachtal, in der Nähe von Stuttgart-Hoffeld, hat am Wochenende eine Attraktion für Naturliebhaber eröffnet. Mitten in der Idylle, zwischen Bäumen und Wiesen, lockt auf dem Gelände des FKK-Familiensportbunds ein 400 Quadratmeter großes und 1,35 Meter tiefes Naturschwimmbad mit angegliedertem Kinderbecken die Freunde der Freikörperkultur. Eingesäumt von Natursteinen und Pflanzen gleicht das Bad einem überdimensionalen Gartenteich - allerdings ohne Kaulquappen, Fische oder sonstiges Getier. „Mit Volleyball, Boulespielen und Tischtennis ist es in Zeiten des Mitgliederschwunds eben nicht mehr getan", sagt Ralf Ücker, Vorsitzender des FKK-Familiensportbunds Stuttgart. „Wir hoffen, dass das Schwimmbad zur Attraktion wird und uns neue Vereinsmitglieder bringt." Schliesslich sei ein Bad dieser Art in Stuttgart „ein Novum", so Ücker bei der Einweihung am Samstagnachmittag. lm Gegensatz zu den herkömmlichen Schwimmbädern ist das Wasser dieser Anlage weder desinfiziert noch mit Chlor versetzt. „Es handelt sich um eine völlig natürliche Wasserqualität, die mit der eines Gebirgsbachs vergleichbar ist', sagt Architekt Robert. Fraas, der das Naturbad im Auftrag der Nürnberger Firma Aqua Dolce in Stuttgart mit entworfen hat. Das Wasser wird durch biologisch-mechanische Filterung gereinigt. „Es fliesst an den Seiten des Bads bergab in ein Becken, in dem Lavasteine dafür sorgen, dass schädliche Keime abgebaut werden", erklärt Fraas. „Danach wird es wieder zurück ins Becken gepumpt." Der nasse Spaß kostet den Verein rund 145 000 Euro. Die Mitglieder tragen ein Drittel, der Rest wird aus der Vereinskasse bezahlt. „Wir haben außerdem noch eine Spendenzusage der Stadt bekommen", so Ücker. Der Bau einer Wasserrutsche wird demnächst in Angriff genommen. Interessierte haben die Möglichkeit, das Naturbad dreimal auszuprobieren. Wem das idyllische Stückchen Natur im Ramsbachtal zusagt, der kann sich für eine Mitgliedschaft beim FKK-Familiensportbund entscheiden. Voraussetzung ist allerdings, dass man die Badehose immer brav zu Hause lässt. Weitere Infos beim Bund für freie Lebensgestaltung - FKK-Familiensportbund Stuttgart, Telefon: 46 64 10 (das Büro ist dienstags besetzt) oder unter www.bffl-stuttgart.de. Simone Drescher
Stuttgarter Zeitung vom 14.06.2006 Wer baden will, muss seine Badehose daheim lassen NUDISTEN Seit einem Jahr geniess Hoffeld/Birkach. Wer seine neueste Bademode präsentieren möchte, ist an dem Natursee im Ramsbachtal fehl am Platz. Denn dort geniessen die Gäste das Idyll im Naturkostüm. Vor einem Jahr wurde der FKK-See eingeweiht. Von Bäumen und Sträuchern umringt, liegt versteckt im Ramsbachtal das Gelände des Vereins Bund für freie Lebensgestaltung (BffL). Auf einem Hektar verteilen sich eine Boule-Bahn, Volleyballplätze, Spielgeräte für Kinder, ein Grillplatz und ein kleines Basketballfeld. In der Mitte des Geländes ruht das Schmuckstück des Vereins, der Natursee, mit dem sich die Vereinsmitglieder vor einem Jahr einen Wunsch erfüllt haben. Das Gelände des BffL ist ein Paradies für Sportbegeisterte und Naturliebhaber. Doch nicht jedermann hat Einlass zu dem Idyll. Dieser ist den Freunden der Freikörperkultur vorbehalten. Das Gelände zwischen Hoffeld und Birkach gehört bereits seit dem Jahr 1968 den FKK-Anhängern. Seitdem können sie dort befreit von lästiger Kleidung Sport treiben oder faul in der Sonne liegen. Was fehlte war ein See. Der wurde im vergangenen Jahr gebaut und im Juni 2005 schließlich eingeweiht. Die Nudisten nutzen den See gern und viel zum Abkühlen in den heißen Monaten. Ein Filtersystem mit vier Pumpkreisläufen sorgt dafür, dass das Wasser, das aus der Leitung der Bodensee-Wasserversorgung fließt, immer sauber bleibt. Alle zwei Wochen untersucht das Gesundheitsamt Wasserproben, mit guten Ergebnissen. "Das liegt daran, dass wir nackt schwimmen", sagt der Vereinsvorsitzende Ralf Ücker, "denn an der Badekleidung bleiben eher Schmutzpartikel hängen." Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Ücker in seiner Freizeit lieber auf Kleidung verzichtet. "Eine nasse Badehose ist einfach unbequem", sagt er, "ohne fühlt man sich gleich befreiter." Auch der Sinn für Gleichheit ist bei den Vereinsmitgliedern ausgeprägter. Auf dem Gelände im Ramsbachtal sind alle nackt wie Gott sie schuf und somit sind auch soziale Unterschiede aufgehoben. "Niemand kann sich durch Kleidung hervorheben", sagt Ücker, "wir akzeptieren die Leute so, wie sie sind." Der Gedanke scheint für zunehmend mehr Leute attraktiv zu werden. Galt es früher als verpönt nackt zu baden, ist die Toleranzschwelle heutzutage niedriger. Zumindest der BffL kann sich über zu wenige Mitglieder nicht beklagen. Derzeit zählen sie in Degerloch rund 200 FKK-Freunde. "Etwa 20 neue Mitglieder haben wir in diesem Jahr", sagt Ücker. Und der Sommer habe schließlich eben erst begonnen. 710 Mitglieder hat der BffL insgesamt. "Dabei halten sich die Älteren und die Kinder die Waage." Wer sich nicht sicher ist, ob Nacktheit seine Sache ist, kann das Kleinod an drei Tagen testen. Danach entscheiden die Gäste, ob ihnen der Besuch am Badesee eine Vereinsmitgliedschaft wert ist. Doch nicht nur die Interessenten haben so die Möglichkeit, sich ein Bild zu machen. "Wir schauen uns die Leute natürlich genau an", sagt Ücker. Die Aufnahme in den Verein durch den Vorstand ist Formsache. Wenn der jedoch den Eindruck hat, dem Interessenten geht es nicht ums Baden, sondern darum, seine Schaulust zu befriedigen, lehnt das Gremium ab. Sorge vor Voyeuren müssen die Vereinsmitglieder aber kaum haben. "Außer ein paar Jugendlichen, die versucht haben durch den Zaun zu schauen, hatten wir noch keine Vorfälle solcher Art", sagt Ücker. Und einfach auf das Gelände spazieren, kann niemand. Denn erst, wer das großes Stahltor am Eingang passiert hat, ist angekommen, im kleinen Idyll, in dem nur eine Bademode angesagt ist - das Naturkostüm. INFO: Weitere Informationen über den Verein, das Gelände und Mitgliedschaften stehen auf der Internetseite www.bffl-stuttgart.de. Telefonische Auskünfte gibt es unter der Nummer 47 55 55 täglich von 11.00 Uhr an. Text und Bild von Kathrin Thimme
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